Kerstin Duken ist angekommen

Nov 20, 2013
Mensch der Woche / Heute: Kerstin Duken, Diplom Musiktherapeutin

Einmal die Woche besucht Kerstin Duken das Altersheim; sie arbeitet dort mit Alzheimer und demenzkranken Patienten. In der Altenpflege kann Musiktherapie Brücken bauen, erklärt sie. "Gerade alte Menschen erleben in der Berührung mit Tönen und Klängen einen intensiven Kontakt zu ihren noch vorhandenen Fähigkeiten und zu schon längst vergessenen Ressourcen, die tief in ihrem Unterbewusstsein verankert sind“, gibt die Musiktherapeutin zu verstehen. Der Kurier hat mit ihr gesprochen.

Im Einklang mit sich selbst zu sein – dabei geht es bei der Musiktherapie. Ganz leise und sanft zupft Kerstin Duken ein Paar Akkorde auf ihrer Gitarre an. Wenige Töne nur – und das reine Gefühl. Ruhe kehrt ein. Musik, die verzaubert. Eines ihrer „Werkzeuge“ ist das Klavier:

„Das Instrument mit seinen 88 Tönen dient mir als Therapeutin gleichsam als Lebenslinie eines Patienten. Jedem Ton wird einer Charaktereigenschaft zugeordnet – und jeder Ton drückt ganz unterschiedliche Emotionen und Gefühle aus. Er ist für den Patienten sozusagen eine Konfrontation mit seinem inneren Ich, wie ein Spiegelbild einer selbst.

Eine Konfrontation, die dem Patienten die Möglichkeit gibt sein Selbstbild und seine Selbstwahrnehmung zu stärken, Traumata zu lösen oder frühkindliche Erlebnisse zu verarbeiten. Kerstin Duken behandelt Kleinkinder, Jugendliche und Erwachsene. Musiktherapie hat ganz unterschiedliche Ansätze und Methoden. Kerstin Duken ist die einzige Therapeutin bis Hamburg, die nach dieser tiefenpsychologische Methode erfolgreich arbeitet.

„Ich mache  mir immer selbst ein Bild von einem Patienten, bevor ich in die Krankenakte schaue,“  erklärt sie und lächelt, „sonst wäre ich voreingenommen.“  Kerstin Duken gibt Gruppen- sowie Einzeltherapien, die ärztlich Verordnet werden. In der Gruppentherapie musiziert die engagierte Therapeutin in gelöster Runde mit den Patienten und erarbeitet mit ihnen Klanggeschichten, bei denen sich jeder Patient selbst Gedanken macht, welches Geräusch zu welchem Instrument passt und wie leise oder laut er spielen möchte.

„Jeder Patient springt hier über seinen eigenen Schatten, das macht Spaß. Das gibt ein gutes Selbstwertgefühl“, erzählt die Musiktherapeutin.
„Musik war schon immer meine Passion, durch eine Berufsunfähigkeit kam ich damals zu meinem heutigen Beruf – der  meine ganze Leidenschaft ist und  mich damals wie heute genauso fasziniert. Die Wirkung von Musik/Tönen/Rhythmen auf Körper, Geist und Seele ist verblüffend.“

„Wo die Sprache aufhört, fängt die Musik an.“ - ETA Hoffmann

Ein weiteres Instrument, was Kerstin in der Musiktherapie einsetzt und wichtig für sie ist, ist die „Ocean Drum“ – eine „Träume-Trommel“ , sie klingt wie das Rauschen des Meeres. Das Geräusch entsteht durch das Rollen von Kugeln über das Fell der Trommel. Die Wirkung ist verblüffend. Der Patient befindet sich blitzartig in inneren Bildern am Meer und gelangt in einen tiefen entspannten Zustand.

Die „Ocean- Drum“ ist in der Therapie so wichtig wie das Klavier, sie gibt den Patienten eine haltende Funktion. Nicht jeder ist offen für die Trommel. Manch einer braucht ein bisschen Zeit um sich mit ihr anzufreunden. Männer gehen da gerne ran, erzählt die Musiktherapeutin. Privat läuft sie viel und liebt die Natur, außerdem geht sie gerne tanzen. Jahrelang hat die gebürtige Delmenhorsterin Formation getanzt. Aufgewachsen in Ostfriesland ist sie heute mit Leib und Seele Cuxhavenerin. „Ich bin angekommen.“


Hintergrundinformation

Der Einsatz von Musik zu Heilzwecken ist mit seinen schamanischen Wurzeln ein uraltes Verfahren.
 Die kontrollierte systematische Anwendung von Tönen und Klängen reicht vom einfachen akustischen Signal bis zu umfassenden musikalischen Werken, so die Sprache der Wissenschaft.

Musiktherapie wird bei unterschiedlichen Krankheitsbildern sowie psychische und physische Störungen verordnet. „ Für viele Kinder und Jugendliche ist Musik ein wichtiger Schutzfaktor und eine Halt gebende Ressource“, weiß die Musiktherapeutin Kerstin Duken.

„Oft biete die Musik Trost für seelischen Kummer und damit die Chance, positive und stärkende Erfahrungen im Gedächtnis zu speichern. Auch bei inneren Spannungen, depressiver Verstimmung, Angst, brüchigem Selbstwertgefühl und Schuldgefühlen kann helfen und sinnvolle Dienste tun.