Fortbildung "Kriegsschauplatz Gehirn" - Für alle, die in Begegnung mit traumatisierten Menschen sind

Sep 28, 2016
Foto: Anika Sandrock (l.) und Claire Hoffrichter stehen bereit, Fragen rund um die Fortbildung für Traumahelfer zu beantworten und Anmeldungen entgegenzunehmen. CUXHAVEN. „Kriegsschauplatz Gehirn: Traumhilfe für Flüchtlingskinder“ ist eine Fortbildungsveranstaltung betitelt, die am 22. und 23. Oktober in unserem Medizinischen Versorgungszentrum Timmermann und Partner stattfindet. Zwei hochklassige Referenten werden in 16 Unterrichtsstunden unter anderem ein Therapiekonzept vorstellen, das eine interkulturelle und zum Teil nonverbale Trauma-Behandlung ermöglicht.

Das Team um den Facharzt Jochen Timmermann hat sich in Cuxhaven zusammen zum Beispiel mit der kassenärztlichen Vereinigung schon mehrfach mit dem Thema „traumatisierte Flüchtlinge“ beschäftigt. Jüngst wurde – gefördert durch das Land Niedersachsen und in Zusammenarbeit mit dem NTFN (Netzwerk für traumatisierte Flüchtlinge in Niedersachsen e.V.) – das Projekt „Morgenröte“ gestartet (die Cuxhavener Nachrichten berichtete). Es handelt sich um eine offene psychologische Sprechstunde für traumatisierte Flüchtlinge.

Claire Hoffrichter (M.Sc. Psychologie), Psychologin in unserem MVZ, ist die Projektleiterin. Sie betreut die Flüchtlinge in der psychologischen Sprechstunde und ist Kontaktperson sowohl für die betroffenen Flüchtlinge als auch für Verbände, Institutionen und Ehrenamtliche, die sich in der Flüchtlingshilfe engagieren.

Die sind auch neben medizinischem Personal, Erziehern und Lehrern die Zielgruppe für die Fortbildung Ende Oktober. An beiden Tagen jeweils von 9 bis 17 Uhr werden Jochen Timmermann, Prof. Dr. Thomas Loew (Leiter der Abteilung für Psychosomatik des Universitätsklinikums Regensburg) und die Psychotherapeutin Beate Leinberger (Regensburg) die „Problemlage traumatisierte Flüchtlingskinder in Deutschland“ referieren. Es werden Behandlungskonzepte erläutert, Methoden der Traumatherapie vorgestellt und in Arbeitsgruppen verschiedene Techniken erarbeitet.

Gesundheitswissenschaftlerin Anika Sandrock (B.A.) erläutert, dass von dem in der Fortbildung vermittelten Wissen alle Berufsgruppen und Helfer profitieren, die in Begegnung mit traumatisierten Menschen sind. Frau Sandrock organisiert die Fortbildung, nimmt Anmeldungen entgegen und beantwortet weitere Fragen. Die Kosten dieser Fortbildung betragen 129 Euro (inklusive Verpflegung), die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Anmeldeschluss ist der 07.10.2016.

Loew und Leinberger engagieren sich im Verein „Gewiss e.V.“, der unter anderem ehrenamtliche Traumahelfer ausbildet. Dieses Prinzip der Laienhilfe ist zum Beispiel bei den Anonymen Alkoholikern bewährt und wurde in der Hilfe für Flüchtlinge von deutschen Medizinern bereits erfolgreich in verschiedenen Krisenregionen angestoßen. Prof. Loew geht davon aus, dass zurzeit 400 000 Flüchtlingskinder in Deutschland angekommen sind und wohl über mehrere Jahr hier bleiben, weitere noch kommen werden. Jedes 40. Flüchtlingskind sei so schwer traumatisiert, dass es umfangreiche professionelle Hilfe brauchen werde.

Beeinträchtigt sei allerdings jedes zehnte Flüchtlingskind. Dies äußere sich in Unkonzentriertheit, Aggressivität, Schlafstörungen oder unkooperativen Verhalten. In dieser Gruppe sehen die Fachleute den erfolgversprechendsten Einsatz ehrenamtlicher Traumahelfer.

Jochen Timmermann sieht in dieser Veranstaltung die Chance, das Wissen über traumatisierte Menschen und deren Behandlungsmöglichkeiten in der Region zu verbessern, „eine Investition in die Zukunft“. (red)

 

Zum Thema

  • Was: Fortbildung „Kriegsschauplatz Gehirn: Traumhilfe für Flüchtlingskinder“
  • Wann: Sonnabend, 22., und Sonntag, 23. Oktober, jeweils von 9 bis 17 Uhr
  • Wo: MVZ Timmermann und Partner, Marienstraße 37a, 27472 Cuxhaven
  • Kosten: 129 Euro inkl. Verpflegung

 

Anmeldung und weitere Informationen:

  • Telefon: (0 47 21) 39 36 50; Fax (0 47 21) 39 36 51
  • Email: a.sandrock@timmermann-und-partner.de
  • Anmeldeschluss: 07.10.2016