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Bis zu 25% der Kinder und Jugendlichen sind psychosomatisch erkrankt. Das Wechselspiel zwischen den Generationen, Trennung und Scheidung und auch überhöhte Leistungsansprüche sind Faktoren, die einen großen Druck auf die Kinder ausüben, wobei sich häufig u. A. Störungen der schulischen Fertigkeiten und Anpassungsstörungen entwickeln. 

Am 10./11. Juni 2016 fand in Berlin in der Geschäftsstelle der Deutschen Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (DGPM) e.V. eine Weiterbildung zum Thema Kinder- und Jugendpsychosomatik statt. Das Seminar richtete sich an Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Ärzte in Weiterbildung in diesem Gebiet; Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Kinder- und Jugendmedizin, die sich in der Kinder- und Jugendpsychotherapie weiter qualifizieren wollen.

Der Fortbildungsleiter Jochen Timmermann, Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie und Ärztlicher Leiter des MVZ für körperliche und psychische Gesundheit Timmermann und Partner, berichtete über seine Erfahrungen mit der Kinder- und Jugendpsychosomatik in seinem interdisziplinären Medizinischen Versorgungszentrum, in welchem verschiedene Fachgebiete im Bereich Psychosomatik gemeinsam unter einem Dach arbeiten.

Prof. Dr. med. Annette Streeck-Fischer, Chefärztin der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie von Kindern und Jugendlichen, Asklepios Fachklinikum Tiefenbrunn beschrieb das Krankheitsbild ADHS als eine komplexe Entwicklungsstörung, bei der sich aber die Symptomatik nach Beendigung eines stationären Aufenthalts in ihrer Klinik deutlich reduzieren lässt.

Dr. med. Maria Koester-Lück, Funktionsoberärztin für den Bereich Psychosomatik in der Klinik für Kinder und Jugendliche in Schweinfurt, berichtete über frühe Dialoge zwischen Eltern und Neugeborenen, darüber was „Schreibabys“ uns mitteilen wollen und wie es durch gleichzeitiger kindlicher Regulationsprobleme und elterlicher Überlastungen zu einem Teufelskreis negativer Gegenseitigkeit kommt, bei der psychotherapeutisch interveniert werden kann und sollte.

Mit dem Vortrag über „Testdiagnostik bei Kindern und Jugendlichen“ gab Susann Hoffmann, Psychologische Psychotherapeutin (VT) und Diplom-Psychologin, einen guten Überblick über geeignete psychologische Testverfahren für Kinder und Jugendliche sowie über deren Möglichkeiten und Grenzen.

Figurenspiel-Therapeutin Pamela Brockmann gab eine Einführung in die Figurenspieltherapie, die sie in der Kinder- und Jugendklinik Gelsenkirchen durchführt und berichtete über ihre Erfahrungen und Erfolge mit ihrer Arbeit.

In Fallarbeiten wurde mit der Gruppe der Teilnehmer der Praxisbezug hergestellt.

 

HINTERGRUND

Die Psychosomatische Medizin des Kindes- und Jugendalters gehört mit zu dem Tätigkeitsspektrum der Psychosomatischen Medizin. Bis zu 25% der Kinder und Jugendlichen sind psychosomatisch erkrankt. Das Wechselspiel zwischen den Generationen, Trennung und Scheidung und auch überhöhte Leistungsansprüche sind Faktoren, die einen großen Druck auf die Kinder ausüben, wobei sich häufig u. A. Störungen der schulischen Fertigkeiten und Anpassungsstörungen entwickeln. Da sich die Beeinträchtigungen ohne Behandlung meist auch im Erwachsenenalter fortsetzen, bedarf es frühzeitiger ärztlicher psychosomatischer und psychotherapeutischer Interventionen.

In der bestehenden Weiterbildungsordnung für Psychosomatische Medizin werden Kenntnisse in Diagnostik und Behandlung von verhaltensauffälligen Kindern und Jugendlichen gefordert, ebenso so, wie familientherapeutische Erfahrungen und sozialtherapeutische Maßnahmen.

 

AUSBLICK

Der überwiegende Anteil der psychosomatischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen wird derzeit von Fachärzten für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Fachärzten von Kinder- und Jugendmedizin gewährleistet. Fachärzte für Psychosomatische Medizin sind in der Versorgung von Kindern und deren Familien eine Rarität, aber auch eine große Entwicklungschance für das offensichtliche Versorgungsdefizit.

Die Sektion Kinder- und Jugendpsychosomatik in der DGPM (KJPSM) plant eine fortlaufende regelmäßige Weiterbildung zur Kinder- und Jugendpsychosomatik.

Sie hat dazu 2012 das Curriculum zur Weiterqualifikation von Fachärzten für Psychosomatische Medizin und Ärzten mit der Zusatzbezeichnung Psychotherapie für die Kinder- und Jugendlichen-Behandlung erstellt, um Fachärzte für Psychosomatische Medizin und Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Psychotherapie für die psychotherapeutische Behandlung von Kindern zu qualifizieren. Dieses wurde bereits bei der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen akzeptiert.

Weiterhin wird es ein wichtiges Thema bleiben, die Weiterbildung und auch die Befugnisregelung in den Landesärztekammern so zu gestalten, dass die Möglichkeiten Kinder, Jugendliche und Familien zu behandeln
– ganz im Sinne einer Familienpsychosomatik – erhalten und erweitert werden. Zudem sollte erreicht werden, dass das Curriculum für die Zusatzqualifikation auch in anderen Kassenärztlichen Vereinigungen zugelassen wird und dass die Weiterbildungsordnung eine stärkere Ausprägung der kinder- und jugendpsychosomatischen Kompetenzen erhält.

Die Aktivierung der Kompetenz für die psychosomatischen Erkrankungen und die Psychotherapie im Kindes- und Jugendalter und die generationsübergreifende Zuständigkeit, ist eine Chance, die das Fachgebiet Psychosomatische Medizin nutzen sollte, um ein schärferes Profil als Versorgungsgebiet von Erkrankungen der gesamten Lebensspanne und der Familien zu prägen. „Für die Qualifikation, im Sinne des Zusatzcurriculums, werden weitere erfahrene Kollegen gebraucht, die bereit sind, diese Weiterbildung umzusetzen“, betont Jochen Timmermann.

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