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Vieles kann sehr wütend, hilflos oder traurig machen, manchmal auch alles zusammen. Innerlich ist man dann derart aufgewühlt, dass der emotionale Druck sich irgendwie ein Ventil suchen möchte. Wohin mit den explosiven Gefühlen? Nach außen gegen andere oder gegen sich selbst richten? Weder noch: Ein Skill-Training bietet gesündere und wirksame Alternativen gegen dysfunktionale oder destruktive Krisenbewältigung. 

Schätzungsweise ein Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind betroffen, Patientengruppen mit anderen Krankheitsbildern wie beispielsweise Essstörungen noch wesentlich häufiger schrieb Prof. Dr. med. Franz Resch, Abteilung Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universität Heidelberg, bereits 2001 im Deutschen Ärzteblatt.

Laut Statista.de sind über 50% der Eltern in Deutschland „eher oder sehr besorgt“, ihr Kind könnte via Internet Infos über selbstverletzendes Verhalten bekommen.

Skills = Fertigkeit

Selbst- oder fremdverletzende Handlungen setzen oft in der schwierigen Zeit der Pubertät mit ca. 12 bis 15 Jahren erstmals ein. Sie sind ein gravierendes Problem in der Psychiatrie und Psychotherapie vor allem aber nicht nur des Jugendalters. Selbstverletzendes Verhalten hat sehr viele Formen und „Gesichter“ und vermutlich eine hohe Dunkelziffer auch unter Erwachsenen und Älteren. Sich selbst ritzen, die Nagelhaut der Fingernägel blutig „knibbeln“ aber auch aggressives und riskantes Verhalten mit der Gefahr sich zu schaden, Essstörungen und Suchtmittelkonsum fallen in diesen Bereich. Ein Skill-Training kann helfen.

Das englische Wort „Skills“ steht für Fertigkeit und bedeutet sinngemäß, aus dem negativen Gedankenkarussell auszusteigen.

  1. Erkennen: Welche Gefühle tauchen auf? Wie heißen sie? Wut, Trauer oder andere?
  2. Die impulsive Handlungsidee – ritzen, prügeln oder sonstiges – überprüfen und mögliche Konsequenzen bedenken: Löst das wirklich das Problem? Oder erzeugt es neue, schlimmere?
  3. Skills einsetzen und damit das negative Gefühl ausleben, etwas tun, was der ursprünglichen Handlungsidee sehr ähnelt, dabei aber nicht schlecht oder schädlich für sich selbst oder andere ist

Skills sind Dinge, die die Person stärken oder bei starker Wirkung nur sehr gering schädigen. Wer den Impuls verspürt, sich zu ritzen, kann sich statt mit einer Klinge mit einem Lippen- oder Filsstift eine rote Linie auf die Haut zeichnen – das mag befremdlich wirken, ist aber ein starkes Signal.

Für gesunde Menschen ist Selbstverletzung nur schwer nachzuvollziehen. Zwar kennen wir alle emotionale Ventile wie mit-den-Fingern-trommeln, zappeln, auf und ab gehen, oder an den Lippen nagen, um nur einige zu nennen, aber diese laufen meist unbewusst und ohne Schädigung ab. Mit zunehmendem Alter ändern sich die Problembewältigungsstrategien und können sich auch Richtung Suchtmittelkonsum verschieben.

Mini-Werkzeug mit Maxi-Wirkung

So verschieden Skills sein können, haben sie eines gemeinsam: Sie sind gesund oder nicht schädlich. Je nach Veranlagung und Vorlieben können zum Beispiel Gerüche oder Geschmäcker in schwierigen Situationen stärken oder ablenken: Kaffeepulver oder Kaffeebohnen zum Kauen, penetrant riechende Ammoniak-Kapseln, Bonbons mit starkem Ingwer- oder Minz-Geschmack, getrocknete Chilischoten oder aber beruhigende, angenehme Düfte, die Vertrautheit und Sicherheit signalisieren.

Wer eher auf Berührung anspricht kann statt der eigenen Nagelhaut einen kleinen Drahtring oder einen engen Ring aus Perlen nutzen, der sich auf dem Finger hin und herschieben lässt. Mit einem Gummiband am Handgelenk, kann man durch Schnipsen Impulse erzeugen, die deutlich spürbar aber gewebeschonender sind. Eine kleine Vokabelliste mit Worten, die im Falle eines Falles helfen, verbal klare Grenzen zu setzen. Gegenstände oder Bilder – all das können Bestandteile eines Skill-Täschchens wie oben abgebildet sein.

Autorin:
Carolin Baucke
Carolin Baucke, seit August 2012 am MVZ zuständig für den Bereich Ergotherapie, Schulbetreuung sowie Skilltraining bei selbstverletzendem Verhalten

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